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Fotos: Alexander Mengel

Auf Robin Hoods Spuren

Artikel von Michelle Fiedler am 01.03.2018

Bei den Red Neck Bowhunters in Tann kann man eine einzigartige Sportart erleben

Jeder kennt die idyllische Atmosphäre eines sonnigen Tages im Wald. Man genießt die Ruhe und die frische Luft – wenn man Glück hat, blinzeln die Sonnenstrahlen durch die Blätterkronen und spielen ihren wunderbaren Lichtertanz. Alles ist friedlich. Im Geriethpark in Tann kann man aber noch viel mehr erleben.

Schließt man hier die Augen und konzentriert sich nur aufs Hören, wird man Geräuschen gewahr, die normalerweise mit der Stille verschmelzen. Leises Rascheln, bedächtige Schritte durch heruntergefallene Blätter, das eine oder andere Knacken von zertretenen Ästen, ruhige, leise Atemzüge und plötzlich ein Zischen durch die Luft und ein Aufprall auf Kunststoff. Man macht die Augen auf und erblickt: Ein Krokodil, in dem ein Pfeil steckt!

Nun mag man sich fragen, was macht ein Krokodil in der Rhön? Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch: Es ist kein echtes, sondern lediglich aus Kunststoff. Doch wo kommt der Pfeil her? Hat Robin Hood einen Tapetenwechsel gebraucht und ist von Nottingham in unsere schöne Rhön gekommen? Nun ja, so ähnlich. Hinter dieser spannenden Situation steckt der BSV Red Neck Bowhunters aus Tann – ein Bogensportverein für die ganze Familie. Das Krokodil ist als 3D-Ziel Teil des alljährlichen Jagdbogenturniers des Tanner Vereins. In unterschiedlichen Bogenklassen zeigen hier Bogenschützen aus ganz Deutschland ein Wochenende lang ihr Können.

Damit machen die Red Necks auch deutlich, dass sie dem Feld- und Jagdbogenschießen auf 3D-Ziele zugetan sind und nicht dem klassischen Scheibenschießen, das man von den Olympischen Spielen kennt. Dennoch betonen die Mitglieder, dass der Sport nichts mit Gewalt oder unterdrückten Jagdtrieben zu tun hat. Das sei vielen Außenstehenden manchmal nicht immer bewusst.

Vielmehr geht es um Präzision, Materialbeschaffenheit, Zielgenauigkeit, das Gelände und natürlich um Kraft – denn solch einen Bogen über längere Zeit immer wieder zu ziehen und auch länger gespannt zu halten, ist auf Dauer anstrengend. Die 3D-Ziele sind selbstverständlich nicht echt: Zwar haben sie die Gestalt von Tieren, doch bestehen sie lediglich aus Kunststoff – und das kann man deutlich erkennen. Zudem sind auch viele Tierarten dabei, die es so in der Rhön sicherlich eher selten gibt, etwa eine Boa, ein Elch, ein Löwe oder eben ein Krokodil.

Dennoch können die Ziele für den ungeübten Blick manchmal für Verwirrung sorgen. So auch das bereits erwähnte Krokodil: Da das Ziel von weitem, an der Ulster, so echt aussah, verständigten verwunderte Spaziergänger die Polizei. Diese rückte von Hilders auch prompt an und begleitete kurz die Aufbauphase des alljährlichen Jagdbogenturniers mit schmunzelndem Blick. Letztendlich klärte sich die Situation zum Glück schnell auf und nahm ein gutes Ende – auch für das Krokodil, das weiterhin auf dem Gelände als 3D-Ziel dienen darf.

Neben solch spannenden Situationen hat der Sport aber auch viele andere Vorteile. So halten sich die Anschaffungskosten für die Ausrüstung ziemlich im Rahmen. „Für um die 200 Euro bekommt man schon einen Bogen. Die Pfeile kosten zwischen 7 und 10 Euro. Das ist der Punkt, der anfangs ins Geld geht, weil bei Anfängern natürlich mehr Pfeile kaputt gehen“, erklärt Scott Alsup, 1. Vorsitzender der BSV Red Neck Bowhunters, lachend. Ansonsten braucht man nur einen Hand- oder Fingerschutz, einen Armschutz und festes Schuhwerk. Meist merkt man schon beim Schnuppertraining, ob der Bogensport etwas für einen ist. Zudem stellt der Verein eine Leihausrüstung zur Verfügung, bis man sicher ist, dass man am Ball bzw. Pfeil bleiben möchte.

Was mit 20 Kindern und 7 Erwachsenen begann, nahm bei den Red Necks schnell größere Dimensionen an und auch heute kommen immer wieder neue Interessierte dazu. „Meist sind es Kinder mit ihren Eltern und wenn die Kinder größer werden und ihre eigenen Wege gehen, bleiben die Eltern oftmals noch aktiv dabei“, erklärt Jürgen Daenner, 2. Vorstand des Vereins. „Unsere Mitglieder kommen sowohl aus der hessischen, bayerischen als auch thüringischen Rhön bis hin nach Schmalkalden, Bad Salzungen und Fulda.“

Mittlerweile freut sich der Verein über durchschnittlich 100 Mitglieder, von denen zwischen 30 und 50 Stammschützen sind. Trainiert wird an zwei Tagen die Woche. Im Sommer auf dem für den Verein extra abgesperrten Waldgelände oberhalb des Tanner Schwimmbads im Geriethpark, im Winter in der Bogenhalle im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses in Tann-Wendershausen, das der Verein in Eigenarbeit ausgebaut hat. Die Möglichkeit, darüber hinaus an Bogenturnieren in der näheren oder weiteren Umgebung bei befreundeten Vereinen teilzunehmen, ist durchaus mit einem Abenteuer in der Natur zu vergleichen. Diese Tage und Wochenenden enden meist in geselliger Runde am Lagerfeuer.

Beim Training selbst ist die Sicherheit das A und O, jeder ist für seinen Pfeil und seinen Schuss verantwortlich. Dass diese Regeln greifen, zeigt die Tatsache, dass in der bisherigen Vereinsgeschichte noch niemand verletzt wurde. Was das Bogenschießen besonders toll macht? „Es ist eine schöne Möglichkeit rauszukommen, die Natur zu genießen und der Sport ist wetterunabhängig – egal ob im Sommer oder Winter, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, fasst das langjährige Vereinsmitglied Lothar Böhm zusammen. Ob man sich mit Pfeil und Bogen auch so fühlt wie Robin Hood? „Sagen wir mal so, wenn dir ein Robin Hood-Schuss gelingt, also mit deinem Pfeil einen anderen Pfeil zu spalten, weißt du nicht, ob du dich über dieses Kunststück freuen oder doch ein wenig betrübt sein sollst – immerhin sind dann meist beide Pfeile hinüber“, lacht er.

Der Name Red Neck kommt übrigens nicht von ungefähr: Ursprünglich wurden so weiße Landarbeiter aus den Südstaaten der USA bezeichnet. Charakteristisch für sie war, dass sie aus jeder Lebenssituation – und sei sie noch so unmöglich – den Spaß und eine Lösung des Problems hervorbrachten. Immer das Beste daraus machen und viel Spaß haben: Genau das ist auch das Motto der Bogenschützen aus Tann in der wunderschönen Rhön.

BSV Red Neck Bowhunters Tann/Rhön e.V.
Scott Alsup
36142 Tann (Rhön)
Telefon (0173) 9841046
info@redneck-bowhunters.de
www.redneck-bowhunters.de

Das 18. Jagdbogenturnier des BSV Red Neck Bowhunters
Am 15. und 16. September 2018 veranstaltet der Verein wieder sein alljährliches Jagdbogenturnier. Unter dem Motto „Haste Bock?“ sind Bogenschützen aus nah und fern eingeladen, ein geselliges Wochenende mit tollem Rahmenprogramm in der hessischen Rhön zu verbringen. Anmeldung unter www.redneck-bowhunters.de, weitere Informationen können per E-Mail an info@redneck-bowhunters.de erfragt werden.

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