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Foto: stock.adobe.com/Alina Isakovich

Durch die Frühlingssonne über den Asphalt

Artikel von Sabrina Mehler am 01.03.2018

Der Kegelspielradweg bietet tolle Ausblicke, herrliche Natur und wunderbare Rastplätze

Wenn die Krokusse ihre Köpfchen aus der Erde stecken, Mahonien erblühen und Löwenzahn so manche Grünflächen gelb färbt, dann erwacht auch der Kegelspielradweg aus dem Winterschlaf. Die Piste zwischen Hünfeld und Wenigentaft feiert im April ihren elften Geburtstag – und erfreut sich heute größter Beliebtheit. Eine ganze Region schwingt sich hier in den Sattel.

Denn was gibt’s auch Schöneres und Entspannenderes als Fahrradfahren? Wahre Glücksgefühle spürt, wer gen Wenigentaft durch die Frühlingssonne über den Asphalt zischt. Mäßige und wadenschonende Steigungen, spektakuläre Aussichten, hübsche Bahnhofsgebäude, viel grünes Gebüsch und dann wieder Panorama-Blicke in offene Fernen machen aus dem Kegelspielradweg einen Hort der Überraschungen, der für jeden etwas bietet.


Foto: TAG Hessisches Kegelspiel

Es ist deshalb auch ein buntes Völkchen, das den Radweg nutzt: Von Rennradlern in voller Montur über rasante Inlineskater bis hin zu Spaziergängern mit Kinderwagen und Freizeit-Stramplern ist alles vertreten. Grüßt einen bei Steinbach noch die Mittvierzigerin auf ihrem altersschwachen Drahtesel, braust bei Betzenrod ein älterer fröhlich lachender Herr mit flottem Pedelec vorbei. Und sie alle wissen: Fahrradfahren ist ein Lebensgefühl. Es macht munter und gesund, so ganz fernab von Bundes- und Landesstraßen mit stinkenden Lastwagen. Und Schenkel wie Stahl gibt’s gratis dazu.

Nur manchmal ziept’s ganz ordentlich in den Beinen des untrainierten Radlers, oft dann, wenn der Radweg von der alten Bahntrasse abweicht und es doch ein bisschen steil wird – bei Leibolz zum Beispiel. Nach Stilllegung der Bimbel war der Bahndamm zu einem Rückzugsort für Tiere und Pflanzen geworden, daher konnten Teilstrecken nicht für den Radweg genutzt werden. Die Flora gedeiht aber auch heute ganz prächtig: Es blüht und grünt überall. Die Vögel zirpen vergnügt, und bei Leibolz gucken die genüsslich in der Sonne liegenden Kamele den Radlern zu. Höhepunkte hat die Tour jede Menge zu bieten, allen voran die Fahrt auf dem Klausmarbacher Viadukt. Das gewaltige Sandstein- Bauwerk spannt sich in 32 Metern Höhe übers Tal. Die fünfbögige, 120 Meter lange Brücke wurde im Zuge des Radwegebaus aufwendig saniert und fraß einen Großteil der Kosten. Spätestens hier versinken Radler ein wenig in Bahnnostalgie und erinnern sich der Züge, die hier langruckelten.

Foto: Sabrina Mehler

Am Weg erinnern auch immer wieder alte Signalanlagen an die Vergangenheit, und bei Burghaun treffen sich die Fahrradrudel an der Bimbel, dem restaurierten und bewirtschafteten Eisenbahnwaggon, an dem es bei schönem Wetter schon mal gut voll werden kann. Auch mehrere Bahnhofsgebäude gedenken alter Zeiten: in Leibolz zum Beispiel und in Großentaft. In Steinbach lädt das Café in der einstigen Station seit zweieinhalb Jahren zur Rast und zum Kuchenessen ein.

Wer es auf dem Kegelspielradweg eher gemächlicher angehen lässt, den locken auch zahlreiche Bänke und Ruheplätze in idyllischer Natur. Allen voran hat sich da der Steinbacher VdK hervorgetan: Mehrere Bänke hat der Sozialverband aufgestellt, und der schön gestaltete Grillplatz Siegels Steinbruch lädt auch zum Verschnaufen und Pausenbrot ein. Wer die Natur genießen will oder ehrgeiziger Sportler ist, lässt sich aber nicht allzu viel Zeit. Auf Eiterfelder Gebiet zeigt sich bald, wie der Kegelspielradweg zu seinem Namen gekommen ist: Sanfte Vulkankuppen erheben sich am Horizont in die Höhe, und wunderbare Ausblicke ergeben sich auf Sois und Stoppelsberg. Ganz hinten grüßt sogar noch der Kaliberg. Und Panorama-Blicke bis weit in die Rhön sind inklusive. Gute zwei Stunden dauert die Fahrt von Hünfeld bis zur Landesgrenze vor Wenigentaft, der Kegelspielradweg ist damit auch ein länderverbindendes Projekt.

Für Erheiterung zwischendurch sorgen die 22 Mundarttafeln mit Weisheiten und Sprüchen im Dialekt: Mit „Hommersch ball?“ und „Troa mich Hockel“ wird da der liebenswürdige Kegelspiel- Einwohner beispielsweise zitiert. Und wer irgendwann in Wenigentaft ankommt, kann nachvollziehen, was der Spruch auf dem blauen Tipi am Start in Hünfeld ausdrücken soll: „Da draußen im Hessischen Kegelspiel gewinnst du Kraft. Die Zeit verfließt, im Denken bist du frei, drum radle und freue dich des Lebens.“ 

Touristische Arbeitsgemeinschaft Hessisches Kegelspiel
Am Anger 2
36088 Hünfeld
(06652) 180-195
info@hessisches-kegelspiel.de
www.hessischeskegelspiel.de

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