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Fotos: Arnulf Müller (3), Alexander Mengel (1)

Wattebäusche in der Rhön

Artikel von Christine Röhling am 01.03.2018

Das Scheidige Wollgras ist eine Charakterpflanze der Hochmoore

Moore sind geheimnisvolle und beeindruckende Naturdenkmäler. Seit jeher faszinieren sie uns Menschen und sind Hauptdarsteller in zahlreichen Sagen und Mythen. Ihre unberührte Landschaft, die aussieht, als läge sie fern jeglicher Zivilisation. Die Natur, die sich selbst überlassen wird und die vielen seltenen und hochspezialisierten Tiere und Pflanzen, die dort ein Zuhause finden, machen diese Lebensräume zu etwas ganz Besonderem.

Auch in der Rhön gibt es sie noch, wenngleich fast 95 Prozent aller Moore in Deutschland von Menschenhand zerstört wurden. Umso schützenswerter sind die noch bestehenden – zum einen, weil sie einzigartige Zeugen der Landschaftsgeschichte sind. Zum anderen tragen sie durch ihr ganz besonderes Ökosystem zum Klimaschutz bei.  

Die bekanntesten und größten Hochmoore in der Rhön – das Rote Moor im hessischen und das Schwarze Moor im bayerischen Teil – zeichnen sich durch einen fast stets vorhandenen Wasserüberschuss aus. Sie leben allein vom Regenwasser, was für eine größere Nährstoffarmut sorgt als zum Beispiel bei Niedermooren, die von mineral- und nährstoffhaltigem Grundwasser gespeist werden. Die Bedingungen für das Pflanzenwachstum und die Tierwelt sind hier also bedeutend ungünstiger als in Niedermooren.

Daher gibt es neben den typischen Torfmoosen nur ganz wenige Arten, die im Roten oder Schwarzen Moor überlebensfähig sind. Diese sind wahre Spezialisten und Hungerkünstler, um mit dem nährstoffarmen Leben im Moor zurechtzukommen. In einer Serie widmen wir uns diesen besonderen Vertretern und beginnen mit dem Wollgras, genauer gesagt mit dem Scheidigen Wollgras (Eriophorum vaginatum), das nicht nur in den Mooren der Rhön, sondern auch in weiten Teilen Europas sowie in Nordamerika und Asien vorkommt.

Die Pflanze, die zur Familie der Sauergrasgewächse gehört, fühlt sich gerade in sumpfigen und torfigen, kalkfreien sowie sauren Gebieten rundum wohl und hat sich an die im Moor herrschenden extremen Lebensbedingungen ideal angepasst. Mit dem Rückgang der Moore geht aber auch der Bestand des Wollgrases immer weiter zurück.

Dabei hat die zarte Pflanze, die zumeist in dichten rasenartigen Beständen wächst, eine äußerst wichtige Aufgabe – vor allem bei der Renaturierung und Wiedervernässung der Moore: Mit ihren faserig zerfallenden Blättern trägt sie maßgeblich zur erneuten Torfbildung bei. Sie gilt daher als Pionierpflanze und übernimmt nach industriellem Torfabbau die Erstbesiedelung vegetationsloser Flächen. Somit sind die Wollgräser für das Wachstum der Moore mitverantwortlich und unentbehrlich.

Im Frühjahr und Sommer sind sie besonders schön anzusehen. Dann prägen ihre charakteristischen, weißen Wollschöpfe das Aussehen des Roten und Schwarzen Moores und man merkt schnell: Ihr Name kommt nicht von ungefähr. Scheinbar federleicht tanzen die dünnen 30 bis 60 Zentimeter langen Stängel mitsamt den wie Wattebäusche aussehenden Köpfchen im Wind. Bei diesen handelt es sich übrigens nicht – wie oft fälschlicherweise angenommen – um die Blüte der Pflanze, sondern um den Fruchtstand.

Das Scheidige Wollgras blüht zwischen März und Mai. Dann erscheint an jedem Stängel nur eine unscheinbar silbrig graue, aufrecht stehende Blütenähre, welche sich wiederum aus bis zu 100 Blüten zusammensetzt. Nach der Blüte bilden sich die typischen weißen Wollhaare aus, die aus unzähligen Blütenhüllfäden bestehen und später zusammen mit den Früchten abfallen. Dieser Wollschopf wirkt dann ähnlich wie die Pusteblumen des Löwenzahns – nämlich wie ein Fallschirm – und verbreitet die Früchte mitsamt ihren Samen durch die Luft und auch zu Wasser, da sie dank dieser Wollfäden schwimmfähig sind.

Früher wurden die Haare der Wollgräser als Watteersatz zum Behandeln von Wunden genutzt. Außerdem dienten sie als Innenfutter von Kissen und Decken. In manchen Gebieten ist das Scheidige Wollgras mit dem frühen Austrieb für viele Tierarten (zum Beispiel für das Ren im hohen Norden) eine wichtige Futterquelle.

Das Scheidige Wollgras als Gartenpflanze
Das Wollgras wächst am besten an einer sonnigen Stelle auf feuchtem bis durchnässtem torfigen Boden, wie zum Beispiel an Teichrändern oder auf sumpfigen Wiesen. Zudem passt es gut in Moor- und Heidegärten. Es ist winterfest und benötigt kaum Pflege. Der Boden sollte leicht sauer und nährstoffarm sein. Am liebsten mag das Wollgras Regenwasser und sollte im Abstand von 30 bis 40 Zentimetern gepflanzt werden, damit es schöne dichte Polster bilden kann. Pflanzzeit ist im Frühjahr oder Herbst. Es kann auch in Gewässern von fünf bis zehn Zentimetern Tiefe überleben. Auch andere Arten des Wollgrases, wie zum Beispiel das Schmalblättrige oder das Seidige Wollgras sind als immergrüne Teichpflanze gut geeignet.

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