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Fotos: Marius Holler

Hoch hinaus!

Artikel von Marius Holler am 21.11.2017

In der Abenddämmerung auf Skiern den Himmeldunkberg erklimmen

In aller Ruhe einen wunderbaren Wintertag genießen, aber dennoch eine rasante Abfahrt mitnehmen? Eine Skiwandertour macht‘s möglich! Für mich als Naturliebhaber und regelmäßigen Rhönwanderer klingt das nach einer idealen Kombination aus gemütlicher Wanderung und einer Prise Adrenalin.

An einem der schönsten Wintertage der Saison bin ich mit Andi zu einer Skiwandertour verabredet. Wir treffen uns am späten Nachmittag am Parkplatz Schwedenwall, um gemeinsam den Himmeldunkberg zu erklimmen. Es hat tags zuvor ordentlich geschneit und die Temperaturen sind tief im zweistelligen Minusbereich. Der frische Pulverschnee glitzert in der Abendsonne. Es ist einer dieser Tage, die man träumerisch als Wintermärchen beschreibt. Die Bedingungen sind großartig und wir freuen uns auf die Tour.



Wir schnallen uns ganz normale Abfahrtsski unter die Füße. Doch auf die Unterseite wird ein Fell gespannt. Die kurzen Borsten des Fells sind alle nach hinten ausgerichtet. Die Skier rutschen somit nicht mehr zurück, gleiten aber dennoch nach vorne. Man hat nun Halt und kann mit den Skiern gut bergauf laufen, ohne rückwärts abzurutschen. Die Bindung wird hinten geöffnet, um besser Laufen zu können.

Die meisten Leute, die wir am Parkplatz Schwedenwall treffen, kommen gerade mit ihren Langlaufski von der Loipe aus Richtung Hochrhön zurück. An solch schönen Tagen sind gewisse Stellen total überlaufen. Wir haben den Himmeldunkberg in den Abendstunden dagegen völlig für uns alleine. Die Tour startet zunächst flach. Allerdings müssen wir irgendwann doch in den Zickzack-Kurs wechseln, da der Hang an der nordöstlichen Seite zu steil für die direkte Linie wird.

Stetig bahnen wir uns den Weg durch den Pulverschnee. Die eigentlichen Strecken sind kaum mehr zu erkennen. Also geht es mit grober Peilung Richtung Gipfel immer weiter voran. Bei einem Richtungswechsel muss man etwas artistisch die Skier umsetzen, was bisweilen komisch aussehen kann. Naja, da niemand da ist, werden wir zum Glück auch nicht beobachtet. Beim Aufstieg können wir einfach nicht vom Panorama ablassen. Der Kreuzberg und der Arnsberg liegen linker Hand und werden von der untergehenden Sonne in ein herrliches Licht getaucht.



Nachdem wir bei besten Bedingungen den höchsten Punkt erreicht haben, ziehen wir voller Vorfreude die Felle der Skier ab. Mit einem Ruck sind sie unten und im Rucksack verstaut. Wir bleiben nicht lange am Gipfel, denn wir wollen die Abfahrt noch mit den letzten Strahlen der Sonne genießen. Die Abfahrt ist natürlich der Höhepunkt einer solchen Tour. Hart erarbeitet genießen wir die Fahrt ins Tal. Mit einem Grinsen im Gesicht ziehen wir ein paar Schwünge in den nahezu unberührten Hang. Der Schnee glitzert, die Skier laufen ... einfach wunderbar, so ein Wintertag in der Rhön!

Nur zu schnell geht die Abfahrt vorbei und wir müssen wieder laufen. Fell raus und wieder unter die Skier. Wir halten kurz inne und beobachten, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Die Temperatur sinkt noch einmal stark. Wir genehmigen uns einen Schluck wärmenden Tee, den Andi mitgebracht hat und setzen dann die Stirnlampe auf. Weiter geht es im Licht unserer Lampen.

Da die Würzburger Bergbund-Hütte ohnehin auf dem Weg liegt, beschließen wir kurzerhand, dort einzukehren. Mittlerweile ist es vollständig dunkel geworden und wir freuen uns auf eine wärmende und stärkende Pause. Beide Holzöfen in der Hütte laufen auf Hochtouren und es ist mollig warm. Freundlich werden wir mit Glühwein empfangen und verweilen in gemütlicher Atmosphäre doch etwas länger als geplant. Dennoch machen wir uns nach einiger Zeit gestärkt auf in Richtung Parkplatz und Auto.



Eine gelungene Tour liegt hinter uns. Dank der Skier und dem Fell darunter konnten wir doch eine weite Strecke mit relativ wenig Anstrengung und in kurzer Zeit zurücklegen. Ideal, um die winterliche Landschaft der Rhön zu erkunden. Bei grandiosen Bedingungen haben wir einen herrlichen Wintertag abseits der Massen erlebt.   

Der Himmeldunkberg
Oberhalb von Oberweißenbrunn zwischen Gersfeld und Bischofsheim entlang der hessisch-bayerischen Landesgrenze liegt der Himmeldunkberg. Hinauf führen mehrere Wanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Oben angekommen, hat man einen herrlichen Blick über die Lange Rhön, sieht gen Osten den Kreuzberg und kann bis in die Schwarzen Berge schauen. Von der nordöstlichen Flanke ist außerdem der Heidelstein zu sehen. Der touristisch noch nicht so überlaufene, etwa 888 Meter hohe Berg bietet sich auch im Winter von der Schwedenschanze aus für Wanderungen mit und ohne Ski an.    

Würzburger Bergbund-Hütte
Die Würzburger Bergbund-Hütte ist eine Schutzhütte in der bayerischen Rhön und liegt auf einer Höhe von 835 Metern am Südosthang des Himmeldunkbergs. Sie gehört der Sektion Bergbund Würzburg des Deutschen Alpenvereins und bietet Wanderern eine Übernachtungsmöglichkeit sowie einen Platz zum Einkehren und Pausieren. Bewirtet ist sie nicht, selbst mitgebrachtes Essen kann dort aber gerne verzehrt werden. Bei der Planung einer etwaigen Wanderung sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten informieren. Weitere Informationen unter www.bergbund-wuerzburg.de oder telefonisch unter (0931) 32954099

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