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Fotos: Marzena Seidel

Wo der Rhön-Yeti zu Hause ist

Artikel von Michelle Fiedler am 21.11.2017

Beim Schneeschuhwandern die Rhön im Tiefschnee erkunden

Es gibt zahlreiche Geschichten und Legenden über ihn, doch seine Existenz kann niemand mit letzter Gewissheit beweisen: Ein haariges Ungeheuer, das im Winter untypische Spuren im Schnee hinterlässt und in der Rhön sein Unwesen treibt. Mit etwas Glück trifft man den Rhön-Yeti aber fernab von präparierten Pisten, Loipen und Winterwanderwegen – ich habe ihn tatsächlich in seiner Höhle besucht und auf einem seiner Streifzüge durch das Land der offenen Fernen begleitet – und zwar auf Schneeschuhen.

Wir starten früh morgens am Bruder-Franz-Haus am Kreuzberg. Hier hat der Rhön-Yeti seine Höhle, wo er für seine mutigen Begleiter die Schneeschuhausrüstung lagert und seine Touren beginnt. Doch schnell stelle ich fest: Der Yeti, auch bekannt als André Schmitt, ist anders als sein ungemütlicher, haariger Artgenosse aus dem Himalaya. Der doch sehr menschlich aussehende Tourenguide entdeckte 2008 die Schneeschuhe für sich. Seit 2010 bietet er geführte Touren für jedermann an – und verkleidet sich dabei gerne auch mal als Schneemensch.



Für unsere elfköpfige Gruppe hat er seinen Sohn Matze als zusätzlichen Guide mitgebracht. Die Anzahl der Betreuer variiert dabei je nach Gruppengröße. Ab 20 Personen wird die große Gruppe noch einmal in zwei kleinere geteilt. „Sonst haben wir ja irgendwann eine 300-Meter- Schlange und man kommt gar nicht miteinander ins Gespräch“, erklärt Yeti André. Und diese Gespräche sollte man nicht versäumen: André Schmitt lebt und liebt das Schneeschuhwandern und das merkt man ihm auch an.

Nachdem wir Schneeschuhe, Stöcke und nach Bedarf Gamaschen (für trockene Hosenbeine) – erhalten haben, legen wir die Ausrüstung an und probieren sie auf der Schneefläche hinter der Höhle des Rhön-Yeti aus. Bei den ersten Probeschritten wird einem schon ganz schön warm. Vor dem Start gibt André Schmitt eine kurze Einführung, wie wir uns am besten durch den Schnee bewegen. Der Bewegungsablauf erinnert stark an Nordic Walking: rechter Fuß, linke Hand, linker Fuß, rechte Hand; bergab die Stöcke vor dem Körper, sonst eher leicht dahinter halten. „Wer Nordic Walking macht, kann es wahrscheinlich noch besser als ich“, beendet André seine Einführung lachend.



Dann geht es los, und zwar im Gänsemarsch hintereinander in ein kleines Waldstück, wo auch die Loipe entlangführt. Nach den ersten Schritten findet man schnell seinen Rhythmus und erlangt die Erkenntnis: Das macht richtig Spaß! Die Route führt uns Richtung Arnsberg, teilweise den Hochrhöner entlang. Auf breiteren Flächen dürfen wir auch nebeneinander laufen und André ermutigt uns immer wieder, auch die noch unberührten Schneeflächen zu nutzen: „Im Tiefschnee ist es richtig super! Dann ist der Untergrund so schön weich und fluffig.“

Und diesem Motto folgt der Yeti unentwegt. Da kann es auch mal sein, dass wir einen völlig anderen Weg einschlagen, als geplant. „Das sieht so herrlich aus, da gehen wir jetzt rauf“, ruft er und läuft zielstrebig durch den Tiefschnee einen steilen Hang zwischen Bäumen hindurch hinauf. Wir anderen watscheln brav hinterher, wobei der eine oder andere auch mal im Schnee landet, da man mit den Schneeschuhen zwar nicht richtig einsinkt, der lose Schnee aber durchaus mal unter dem Schuh wegbrechen kann.



Am Gipfelkreuz des Arnsberges angekommen, gibt es für alle eine Runde Tee – wer möchte, bekommt auch ein Gipfelschnapserl. Wenn mir von dem vorherigen Anstieg nicht schon warm genug wäre, hätte spätestens das von innen gewärmt. Nach der kurzen Pause geht es wieder bergab in Richtung Gemündener Hütte, über die Kreuzbergstraße und am Skilift Rothang vorbei. Hier wird’s beim Anstieg noch mal richtig anstrengend – zum Glück hatte ich morgens gut gefrühstückt.

Nach der Anstrengung folgt der Einkehrschwung in die Gemündener Hütte. Etwa eine Dreiviertelstunde später geht es wieder zurück zum Kreuzberg, wo wir unsere Rundtour beenden. Insgesamt rund acht Kilometer und 600 Höhenmeter haben wir zurückgelegt und dabei Muskelpartien beansprucht, die man sonst eher nicht benutzt. „Mit den Schneeschuhen hat man einen großen Vorteil gegenüber dem Wandern auf Winterwanderwegen: Man kann ohne Probleme auch mal querfeldein laufen und ist meist ganz für sich und nicht umgeben von zahlreichen anderen Aktiven, die das gute Wetter ebenso nutzen wollen“, erklärt Sohn Matze. „Bei aller Freiheit muss man aber unbedingt die Naturschutzgebiete beachten“, ergänzt Rhön-Yeti André Schmitt. Und empfiehlt, gerade in unbekannter Umgebung stets eine geführte Tour mitzumachen.

Wen das Schneeschuhfieber danach auch gepackt hat, der kann beim Yeti eine eigene Ausrüstung erstehen. André Schmitt ist auf jeden Fall infiziert und nutzt es gleichzeitig zur Entspannung: „Letztens habe ich sechs Touren an einem Wochenende gemacht und bin insgesamt elf Stunden gelaufen. Montags kam ich ins Büro und fühlte mich wie nach drei Wochen Urlaub.“ Na, wenn das nicht die beste Werbung für diesen besonderen Sport ist.  

Kontakt
Rhön-Yeti Event Agentur
Markbergstraße 14
97659 Schönau an der Brend
Telefon (09775) 1268
info@rhoen-yeti.de
www.rhoen-yeti.de

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