Menü Button Lupe
Rhön Magazin Logo
Share Button
 
Logo Rhön Magazin
 
Fotos: Alexander Mengel

Natürliche Pflege für die Haut

Artikel von Christine Röhling am 02.09.2016

Birgit Ehrsam stellt eine Wildkräuterpflegecreme aus natürlichen Zutaten her

Ihre Begeisterung für die Natur wurde so richtig entfacht, als Birgit Ehrsam vor über 20 Jahren eine Arbeitsstelle im Naturschutzbereich annahm. Die gelernte Bauzeichnerin sowie Tourismusfachwirtin war beruflich zuvor wenig mit der Natur in Berührung gekommen. Doch mit ihrem neuen Job in der Naturschutzbehörde wuchs ihre Leidenschaft und sie verbrachte immer mehr Zeit auf Wiesen und in Wäldern und entdeckte die Natur mit ganz anderen, neuen Augen.

Die besondere Heilwirkung von Pflanzen und Kräutern hat sie dabei am meisten fasziniert. So beschäftigte sie sich immer intensiver mit der Heilpflanzenkunde, nahm an Kräuterseminaren teil und legte nach und nach ihren eigenen Kräutergarten an. Dieser wächst und gedeiht an ihrem idyllischen Heim, dem Forsthaus in Schwarzbach (thüringische Rhön). Vor etwa acht Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und stellt seitdem eigene Naturkosmetik her. Ob Shampoo, Seife, Balsam, Deodorant oder Creme – ihre Produktpalette wächst stetig. Denn die Nachfrage nach Pflegeprodukten auf Basis rein natürlicher Inhaltsstoffe wird immer größer.

Viele ihrer Rezepte haben eine monatelange Probierphase hinter sich, Freunde und Familie mussten als Testpersonen herhalten und die Grammzahlen der einzelnen Zusatzstoffe sind meist ganz genau ausgetüftelt. Ganz besonders angetan hat es ihr die Wilde Ringelblume. In der freien Natur in Deutschland kaum noch zu finden, gilt sie als besonders schutzwürdig. Und im Gegensatz zu ihrer großen Schwester, der „ganz normalen“ Ringelblume, sagt man der kleineren gelb blühenden Pflanze eine stärkere Heilwirkung nach.

Ihre Blüten lassen sich vielseitig verarbeiten. In Tinkturen, Salben oder Tees können sie Beschwerden lindern und die Heilung vieler Zipperlein unterstützen. Birgit Ehrsam verrät uns eins ihrer Lieblingsrezepte mit dem Pflänzchen und zeigt Schritt für Schritt, wie man eine pflegende Wildkräutercreme aus natürlichen Inhaltsstoffen selbst herstellen kann. Neben einer Tinktur aus der Wilden Ringelblume enthält diese viele weitere wertvolle Kräuter, die dem Leser eine wohltuende Pflege für die Haut bringt, ihr Feuchtigkeit geben und Fältchen vorbeugen.



Die Menge reicht für etwa 8 Dosen à 60 ml

Die Materialien
1 Löffel
1 Messer
1 Teichschaber
2 Töpfe
1 große Schüssel für ein Wasserbad
Küchenthermometer
Stabmixer
Küchenwaage
Schere
Gefrierbeutel
8 Dosen à 60 ml

Die Zutaten für die Fettphase
10 g Lanolin anhydrid
20 g Bienenwachs, weiß
32 g pflanzlicher Emulgator (Lame)
50 g Macadamianussöl
100 g Aprikosenkernöl
15 g Sheabutter unraffiniert

Für die Wasserphase
185 g Tee aus Frauenmantel, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerich und Vogelmiere
30 g Gänseblümchentinktur
30 g Wilde Ringelblumentinktur
1 EL Echter Deutscher Bienenhonig

Für die Wirkstoffphase
10 ml Kollagen
1 großer Tropfen Vitamin E
10 ml Hyalomuco (Gemisch aus
Hyaluron, Chitin liquid, Feuchtigkeitsfaktor NMF (natural moisturing factor) und d-Panthenol)

Duftöl
2,5 ml ätherisches Öl nach Wahl


Die Vorbereitung

Tinkturen
Die Creme benötigt etwas Vorbereitung. Die Tinkturen für die Wasserphase können entweder in ausgewählten Naturprodukte-Shops fertig gekauft oder selbst hergestellt werden. Möchte man sie selbst produzieren, sollte dies mindestens vier Wochen vor Anrühren der Creme erfolgen, da die Tinkturen eine Zeit lang ziehen müssen.

Gänseblümchentinktur
Die frisch geernteten Gänseblümchenblüten und -blätter grob zerkleinern und in ein weithalsiges Gefäß geben. Mit 32 Volumenprozent Alkohol (z. B. Korn) übergießen, bis alle Blüten bedeckt sind. Die Mischung verschlossen etwa vier Wochen ziehen lassen und ab und an schütteln. Nach der Ziehzeit die Tinktur durch einen feinen Filter (z. B. Kaffeefilter) abseihen und in eine Flasche füllen.
TIPP: Die Erntezeit von Gänseblümchen beginnt Ende April und endet im Juli.

Wilde Ringelblumentinktur
Die Blüten der wilden Ringelblume, die von Ende Mai bis August geerntet werden können, ungetrocknet in ein weithalsiges Gefäß geben und mit 32 Volumenprozent Alkohol (z. B. Korn) übergießen. Ab und an schütteln und die Tinktur nach etwa vier Wochen Ziehzeit durch einen Kaffeefilter abseihen. Anstatt der wilden Ringelblume können natürlich auch die Blüten der bekannten und weit verbreiteten „normalen“ Ringelblume verwendet werden.
TIPP: Das Glas während der Ziehzeit an einen warmen, sonnigen Ort stellen.

Tee kochen
Für die Wasserphase sollte außerdem rechtzeitig der Tee aus den Wildkräutern gekocht werden. Hierfür Frauenmantel, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerich und Vogelmiere mit Wasser aufkochen und mit den Kräutern abkühlen lassen. Dann den Sud durch einen Kaffeefilter abfiltern.

Die einzelnen Schritte

1. Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, kann mit dem Anrühren der Creme begonnen werden. Diese besteht aus drei Phasen, nämlich der Fett-, Wasser- und Wirkstoffphase. Zunächst bereitet Birgit Ehrsam die Fettphase vor. Hierfür gibt sie Lanolin, weißes Bienenwachs, pflanzlichen Emulgator, Macadamianussöl und Aprikosenkernöl in einen Topf und verrührt die Masse mit einem Teichschaber.
TIPP: Die für die Creme benötigten Naturprodukte bekommt man entweder im sehr gut sortierten Reformhaus, im Naturkosmetik-Fachgeschäft oder in ausgewählten Onlineshops.

2. Dann wird die Wasserphase vorbereitet: Bienenhonig, den bereits abgekühlten Wildkräutertee, Gänseblümchen- und Wilde Ringelblumentinktur in einem Topf vermengen.


3. Birgit Ehrsam erhitzt nun Fett- und Wasserphase getrennt voneinander auf circa 60 Grad. Die genaue Temperatur misst sie per Küchenthermometer, das sie immer wieder in die Flüssigkeit taucht. Sobald 60 Grad erreicht sind, nimmt sie beide Töpfe vom Herd.


4. Nun wird die Sheabutter in die heiße Fettphase hineingeben. Ohne weitere Wärmezufuhr wird die Flüssigkeit solange gerührt, bis die Butter geschmolzen ist.


5. Jetzt ist es Zeit für das One-Pott-Verfahren: Die Wasserphase wird mit einem Mal in die Fettphase geschüttet.


6. Danach muss die Masse sofort mit dem Mixer etwa zwei Minuten auf höchster Stufe dispergiert werden. Hierbei verbinden sich die beiden Phasen miteinander und werden zu einer cremigen festen Masse.


7. Die Masse muss nun auf unter 40 Grad abkühlen, um mit der Wirkstoffphase weitermachen zu können. Damit es schneller geht, stellt Birgit Ehrsam den Topf in ein Wasserbad und misst unter ständigem Rühren ab und an die Temperatur.

8. Ist die Creme auf unter 40 Grad abgekühlt, können Kollagen, Vitamin E und Hyalomuco nach und nach hinzugefügt werden.

9. Die Creme dann noch einmal mit dem Mixer zu einer homogenen glatten Masse verrühren, solange bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind.

10. Wer mag, kann ein ätherisches Öl in die Creme tröpfeln. Birgit Ehrsam verwendet hier Agavenöl, mit leichtem grünen Geruch und Anklängen von Frucht und Hölzern, welches hervorragend geeignet ist, Naturkosmetik zu beduften. Das Gemisch wird dann noch einmal mit dem Teichschaber gut durchgerührt.

11. Die fertige Creme kann jetzt in die Döschen gefüllt werden. Damit nichts daneben geht, füllt Birgit Ehrsam die Masse in einen Gefrierbeutel. Diesen schneidet sie an einer der beiden unteren Ecken etwas auf. So entsteht ein Spritzbeutel und die Creme kann einfach aus der Tüte herausgedrückt werden. Klopft man dann die gefüllten Dosen vorsichtig auf die Tischplatte, verteilt sich die Creme gleichmäßig. Wenn sie vollständig ausgekühlt ist, Deckel drauf, zudrehen und fertig ist das natürliche Pflegeprodukt.

 

 

Keine Artikel in dieser Ansicht.