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Fotos: Alexander Mengel

Vermächtnis über Generationen

Artikel von Tina Ducke am 11.03.2016

„Ein Garten ist immer im Wandel“

„Ich hole mir gerne verschiedene Pflanzen in den Garten, weil ich sie kennenlernen möchte“, erzählt Andrea Farnung mit einem begeisterten Funkeln in den Augen. „Was ich mag, darf bleiben.“

Vor gut 15 Jahren hat die Heilpraktikerin ein großes Erbe angetreten, als sie mit ihrem Mann den Gemüsegarten ihrer Schwiegermutter übernommen hat. Die gesamte Fläche war damals mit Nutzpflanzen bestückt, um die Bauernfamilie zu versorgen. Lediglich kleine Pfade leiteten den Weg durch die dicht bepflanzte Anlage.

„Als wir den Garten übernommen haben, war ich noch als Erzieherin tätig und hatte von Pflanzen keine Ahnung“, erinnert sich Andrea Farnung. Als ausgemacht war, wo zwischen dem alten Obstbaumbestand das neue Haus der Familie Platz finden würde, ging es an die Planung des Gartens. „Glücklicherweise haben wir zur selben Zeit die alte Scheune auf der anderen Straßenseite abgerissen, so dass wir ausreichend Back- und Sandsteine für gemütliche Ecken zur Verfügung hatten.“



Heute ist das Gartenparadies für den außenstehenden Beobachter fertig und wunderschön einladend – auch wenn Andrea Farnung unterstreicht: „Ein Garten wird nie fertig, er ist immer im Wandel.“ Im oberen Bereich dominiert ein alter Birnbaum den Bauerngarten – eingefasst von einer gemütlichen Sitzbank. Ein Spinatbeet mit Melde, Borretsch, Baumspinat und Gutem Heinrich reiht sich an Erdbeer-, Salatund Gemüsebeete. Ein kleines Kräuterbeet befindet sich hier ebenfalls, gleich neben einem Hochbeet mit Hokkaido und Kresse.

Eine Ebene weiter unten hat die passionierte Gärtnerin ein Steinrondell um einen Feuerplatz eingerichtet. Sie verrät: „Für die freien und großzügigen Gestaltungsmöglichkeiten in meinem Garten bin ich sehr dankbar. Die Generationen vor uns hätten sich das nicht erlauben können, da sie den Platz dringend für Nutzpflanzen benötigten, um die Familie zu versorgen.“ Einen Traum hat Andrea Farnung sich ebenfalls erfüllt: eine Veranda. Zwar steht sie sozusagen im Nichts, da direkt am Haus der Platz nicht reichte, doch sie bekommt Halt von einer selbst gemauerten, verspielt dekorierten Backsteinwand mitten im Grün.



Gleich daneben fällt ein extra eingezäunter, kleiner Kräutergarten ins Auge, der auch ein Insektenhotel beherbergt. Hier wachsen Eibisch, Beinwell, Baldrian, Engelwurz, Alant, Goldrute, Odermennig, Eisenkraut, Blutwurz und Fenchel wild durcheinander. „Die Pflanzen suchen sich ihren Platz“, beschreibt die Phytotherapeutin. „Man kann nicht sagen ‚du hier’ und erwarten, dass alles genau so wächst, wie man es sich vorgestellt hat.“ Auf der Wildkräuterwiese, die man durch einen Torbogen in der Hecke aus heimischen Gehölzen erreicht, wird dies noch eindrucksvoller unter Beweis gestellt. Hier dominiert in jedem Jahr eine andere Pflanze, mal ist es Johanniskraut, mal Spitzwegerich. „Ich bin schon gespannt, was es im nächsten Jahr sein wird“, freut sich Andrea Farnung.



Ihr Anliegen: „Wer Interesse an einem Garten hat, sollte einfach Mut zum Unvollkommenen haben und machen, was die Zeit erlaubt. Als ich vor 15 Jahren gestartet habe, kannte ich kaum eine Pflanze. Mein erster Versuch – Thymian in Töpfen auf der Terrasse – ist mir gleich eingegangen.“ Doch nach und nach hat sich ihre Leidenschaft entwickelt und damit auch ihr beruflicher Wechsel zur Heilpraktikerin. „Man muss einen Garten mit Geduld und Gelassenheit angehen und die Pflanzen allmählich kennenlernen.“ Ganz wichtig: nicht nur arbeiten, sondern den Garten auch genießen. Ihr Wissen gibt die Pflanzenheilkundlerin, die auch Mitglied im Verein Rhöner Gärten ist, gerne in Kursen auf Anfrage weiter.

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