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Fotos: Alex Mengel

Nehmen Sie Platz!

Artikel von Leonora Frohnapfel am 02.06.2015

Tischler Ulrich Pfeifer baut den perfekten Sommerstuhl

Ich mag alles was schön ist. Für die unschönen Dinge habe ich keine Zeit“, lächelt Ulrich Pfeifer. In seiner Tischlerei in Weyhers fertigt der staatlich geprüfte Holztechniker exklusive Möbel für den Innenausbau an – vom Bad über die Garderobe bis hin zum Schreibtisch. Für kreative und handwerklich geschickte Leser hat Ulrich Pfeifer einen Sommerstuhl zum Nachbauen angefertigt und zeigt Schritt für Schritt wie es geht.

Die Idee zum Stuhl stammt aus seiner Zivildienstzeit bei den Schottener Sozialen Diensten. Für Menschen die Unterstützung brauchen, brachte er sein Know-how als Tischler ein und baute mit ihnen einfach nachzubauende Gegenstände, die trotzdem vielversprechend zweckmäßig sind. Wie diesen Stuhl: zwei Einzelteile, die unterschiedlich zusammengesteckt ein kompaktes Ganzes ergeben und somit einfach transportiert werden können, um anschließend am Zielort zu einem Stuhl verwandelt zu werden.

Die Materialien:

Feinsäge, Raspeln, Feilen
Schleifkork und Schleifpapier 120er Körnung
Handbohrmaschine oder elektrische Ständerbohrmaschine
Klemmzwingen
Leim, Bleistift, Zollstock
Holzhammer, Stemmeisen, Tacker

Für den Sitz:
2 Buchenleisten à 20 x 40 x 500 mm (Rahmen)
5 Buchenleisten à 15 x 40 x 350 mm (Sitzfläche)
Dübel 6 mm

Für Die Lehne:
2 Buchenleisten à 20 x 40 x 700 mm (Rahmen)
3 Buchenleisten à 15 x 40 x 350 mm (Querleisten)
Baumwollstoff 500 x 600 mm (alternativ 5 Buchenleisten à 15 x 40 x 350 mm)
Dübel 6 mm Durchmesser

Ulrich Pfeifer: „Buche zählt zu den Harthölzern. Wer im Umgang mit Holz nicht geübt ist, kann auch ein Weichholz wie Fichte oder Kiefer verwenden.“

Die einzelnen Schritte:

1. Leisten schneiden

Zuerst müssen die Leisten auf die passende Größe geschnitten werden. Zum Sägen besonders geeignet ist eine Japanische Säge, aber auch mit jeder anderen Feinsäge erhält man gute Ergebnisse. 

Tipp: „Legen Sie das Holz in eine Gehrungslade ein. So erhalten Sie einen geraden Schnitt. Achten Sie außerdem auf genügend Platz auf der Hobelbank – wer werkelt braucht Freiheit.“

 

2. Stabilität

Damit der Stuhl auf dem Untergrund nicht wackelt, müssen die Rahmenleisten für den Sitz an jeweils einem Ende im Abstand von 10 mm zur Kante schräg abgeschnitten werden – die Schnittkante beträgt 50 mm. Auch die Rahmenleisten für die Lehnen sind an jeweils einem Ende im Abstand von 10 mm zur Kante abzusägen – die Schnittkante beträgt 25 mm.

Tipp: „Spannen Sie das zu schneidende Holz zwischen zwei Schraubzwingen: Sie verteilen den Druck gleichmäßig aufs Holz und hinterlassen keine unschönen Druckstellen.“

 

3. Aussparungen

a) Für die Querstreben der Lehne werden nun die Aussparungen angezeichnet: im Abstand von 70 mm  zur Kante (abgeschrägtes Ende) der Rahmenleiste 15 x 40 mm.

b) Mit der Feinsäge entlang der 15 mm Kante sägen.

c) Die Leisten zwischen zwei Holzscheiben mit  Klemmzwingen fixieren und mit dem Stemmeisen die Längskante leicht zur Markierung anschlagen.

d) Die Aussparung mit Längsschlägen vorsichtig ausarbeiten.

Tipp: „Wer mit dem Stemmeisen längs zum Holz arbeitet, verhindert, dass dieses bricht. Sollte es dennoch dazu kommen, kann man

e) mit einer Pfeile nacharbeiten.“

 

4. Kanten brechen

Damit das Holz schön weich wird, werden die Leisten mit dem Schleifpapier bearbeitet. Dabei hilft ein Schleifkork.

Tipp: „Schleifen ist das A und O. Wir Schreiner „streicheln“ unser Material und prüfen so, ob es schön glatt ist.“

 

5. Sitz dübeln

a) Die Dübellöcher der Leisten für die Sitzfläche in einem Abstand von 31 mm zum Ende und 20 mm zur Längskante mit einem Bleistift einzeichnen

b) Die Löcher für beide Leisten des Rahmens werden auf der 20 mm starken Leistenseite im Abstand von 20 mm vom geraden Ende aus mittig (10 mm zur Kante) eingezeichnet  – insgesamt 5 Stück im Abstand von je 55 mm.

c) Bevor die Löcher gebohrt werden, sollten diese mit einem Kreuzschraubenzieher markiert werden. So verhindert man, dass der Bohrer ausbricht.

d) Für die Löcher ist zu beachten, dass der Bohrer gerade angesetzt wird. Die Löcher der Sitzfläche werden durch das gesamte Holz gebohrt. Die Löcher des Rahmens sollten nur eine Tiefe von 20 mm haben.

Tipp: „Nehmen Sie sich zum Bohren eine Unterlage – in der Luft bricht das Holz.“

 

6. Montage Sitzfläche

a) Die Dübellöcher mit Holzleim füllen

b) Den Rahmen mit der Sitzfläche unter Zuhilfenahme von Dübeln verbinden – die Dübel mit einem Hammer fest fixieren.

c) Da Leim unter Druck am besten bindet, ist der Sitz zwischen Schraubzwingen zu klemmen.

Tipp: „Verleimen Sie nicht nur die Dübel mit den Dübellöchern, verleimen Sie auch die Flächen der Leisten miteinander – das gibt noch besseren Halt.“

 

7. Lehne dübeln

Jeweils 10 mm zur kurzen und 20 mm zur langen Kante an beiden Enden der drei Querleisten Markierungen für die Löcher machen und anschließend Löcher bohren. Auf der Rückseite der beiden Leisten mit den Aussparungen ein Loch am geraden Ende mit Abstand von 20 mm mittig markieren und 20 mm tief bohren. Das zweite Loch im Abstand von 147 mm zur Schräge ebenfalls mittig markieren und 20 mm tief bohren.

 

8. Montage Lehne

a) Die Löcher mit Holzleim füllen und den Rahmen mit zwei Querleisten unter Zuhilfenahme von Dübeln verbinden – die Dübel fest fixieren.

b) Die dritte Querleiste in die Aussparungen legen und durch das Dübelloch 20 mm tief in die Leiste des Rahmens bohren. Die Löcher anschließend mit Holzleim füllen und mit Dübeln fixieren.

c) Die Rückenlehne wieder mit Schraubzwingen fixieren.

 

9. Dübel setzen

Nachdem Sitz und Lehne trocken sind, die überstehenden Dübel mit einer Säge abgeschneiden. Über mögliche raue Flächen kann nochmal geschmirgelt werden.

 

10. Der Test

Die beiden gebauten Elemente ineinanderstecken und prüfen, ob auch alles passt. Sollte es hier und da noch ein wenig klemmen, kann mit dem Schleifpapier nachgebessert werden.

 

11. Rahmen bespannen

Die beiden Elemente wieder auseinander nehmen, den Stoff fest um den Rahmen der Lehne spannen und mit einem Tacker festmachen.

Den Film zum Artikel finden Sie unter diesem Link.

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