Menü Button Lupe
Rhön Magazin Logo
Share Button
 
Logo Rhön Magazin
 
Fotos: Marius Auth

Tradition aus Eisen und Esche

Artikel von Marius Auth am 29.11.2014

In Leubach werden noch Schlitten nach altem Brauch gefertigt

In dem kleinen Dörfchen Leubach herrscht Hochbetrieb: Traditionelle Schlitten sind ein begehrtes Weihnachtsgeschenk für Jung und Alt. Seit Generationen entsteht hier aus Rhöner Holz ein robustes Erzeugnis, mit dem die Abfahrt zum rasanten Vergnügen wird.

Ein kalter Wind raunzt durchs Dorf, schlägt an die Scheune, aus der ein schwaches Licht ins Dunkel dringt. Im Innern sorgt ein Ofen für wohlige Wärme. Schreinermeister Alexander Hergenhan hat einen Davoser Schlitten aufgebockt, um ihm den letzten Schliff zu geben, bevor er Farbe bekommt. Seit Hergenhan im Schlittenbetrieb seines Onkels Andreas Weber arbeitet, hat sich einiges getan: Die Produktion wurde auf Eschenholz umgestellt, doppelte Lackierung und bunte Farben sorgen für ein ansprechendes Äußeres.



Früher war das nicht nötig: Aus dem Zwischenkriegsjahr 1924 stammt die Werkstatt, die der Wagner Josef Weber am Ortsrand von Leubach erbaute. Anfangs wurde der Bedarf an großen Pferdeschlitten gedeckt, aber schnell brachte die Nachfrage nach Wintersportgeräten neue Kundschaft: „Mein Großvater hatte im Umkreis von 50 Kilometern Stammkunden. Großhändler in Kassel, Schweinfurt und Würzburg versorgten entlegenere Regionen“, erklärt Andreas Weber.

In Haushaltswarengeschäften standen die Rhöner Schlitten als saisonales Produkt im Schaufenster und waren heiß begehrt: 5000 Exemplare wurden pro Jahr verkauft. Aber nicht nur Wintersportler erfreuten sich an den zuverlässigen Holzgeräten: „Mit dem Schlitten ging der Rhöner früher zum Einkaufen und zog schwere Güter“, erklärt Weber.

Robustes Eschenholz aus der Region ist langfaseriger als Buchenholz und zeichnet sich durch seine markante Maserung aus. Nachdem die Bretter auf Länge geschnitten sind, werden sie im altertümlichen Wurstkessel gekocht, bis das Holz weich genug ist, um die Kufen zu biegen. Nach dem Hobeln und Schleifen werden Bock und Kufen durch Längszapfen verbunden. Aufgeschraubte Latten bilden die Sitzfläche, eine Mulde macht das Fahren angenehmer. Eisenkufen erhöhen die Haltbarkeit und sorgen für eine rasante Fahrt: „Beim Schlitten Davoser Form liegt der Schwerpunkt sehr weit unten, außerdem ist das Kippmoment gering“, erklärt Weber.



Kinder fangen meist mit dem 90 Zentimeter langen Schlitten an, der „Meterschlitten“ verfügt bereits über zwei Böcke und kann zwei Kinder tragen – oder einen Erwachsenen. Zubehör wie eine Schiebelehne für die Eltern machen den Winterspaß perfekt.

Gegen die Billig-Konkurrenz aus Osteuropa will Weber sich nicht behaupten: „Die Beine und Querstreben besitzen bei unseren Schlitten rechteckige Verzapfungen. Das ist aufwändiger als runde Nuten, dafür ist die Stabilität und Haltbarkeit größer.“ Im eigenen Online-Shop www.weber-schlitten.de bestellen Kunden aus ganz Deutschland Rhöner Schlitten. „Neulich erst hatten wir einen Interessenten aus Kiel“, freut sich Weber. An der Handarbeit soll aber trotz der großen Nachfrage festgehalten werden.

Keine Artikel in dieser Ansicht.